Vila Franca do Campo auf Sao Miguel

Vila Franca do Campo war die erste und alte Hauptstadt von São Miguel. Hier residierten der Feudalherr der Insel, der Gründungsadel und die Großgrundbesitzer. Die Stadt wurde kurz nach der Besiedlung Sao Miguels von Povoacao aus gegründet. Bis 1518 befand sich hier die Zollbehörde und der Ort entwickelte sich schnell zur wichtigsten Siedlung der Insel. In der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober 1522 wurde der Ort jedoch durch ein Erdbeben zerstört. Mehr als 5.000 Menschen verloren ihr Leben.

Heute erstrahlen die Häuser wieder in bunten Farben und das Zentrum kann sich sehen lassen. Rund 5.000 Menschen leben hier in Vila, wie der Ort nur genannt wird.
Der Name beschreibt treffend die alte Stellung der Stadt: Sie war zollfrei und lag auf einer flachen, fruchtbaren Ebene (campo).

Zum Bezirk Vila Franca do Campo gehören heute die Gemeinden Matriz (Sao Miguel) und Sao Pedro in der Stadt selbst sowie Agua d’Alto, Ribeira das Tainhas und Ponta Garca in der Umgebung.

Bevölkerungsentwicklung im Kreis Vila Franca do Campo: 
18491900193019601981199120012004
8.39811.19011.20414.59611.86611.05011.15011.039

Die höchste Erhebung des Distrikts ist der Pico da Barrosa mit 947 m.

Rund um Vila Franca do Campo gedeihen Obstbäume. Ananasplantagen erkennt man an den hellen Gewächshäusern. An den Hängen wächst Wein, aus dem der ‚vinho do cheiro ilheu‘ gewonnen wird.
Das Meer ist reich an Fischen. Es gibt viele Arten, von denen einige jeden Abend auf den Speisekarten der guten Restaurants zu finden sind.

Die Töpferei ist das traditionelle Handwerk der Stadt. Aber es gibt auch Stickereien, Korbflechtereien und Strohpuppen. Leider sind die meisten genossenschaftlichen Werkstätten inzwischen geschlossen und die Arbeiten werden nur noch in Heimarbeit ausgeführt.

Das Zentrum von Vila Franca do Campo ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Es gibt schöne Gärten, historische Gebäude und saubere, breite und geschützte Strände.

Vila Franca do Campo wurde von Goncalo Vaz Botelho gegründet. Der Ort war beliebt und entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zur Hauptstadt. Am 22. Oktober 1522 zerstörte ein Erdbeben die junge Stadt. Die meisten Gebäude wurden zerstört und viele Menschen verloren ihr Leben. Ponta Delgada übernahm fortan die Rolle von Vila Franca do Campo.
Am 26. Juli 1582 fand vor der Küste der Stadt die Seeschlacht um die Krone Portugals statt. Französische Söldner unterstützten den Thronfolger Dom Antonio. Ihnen stand vor Vila Franca eine spanische Flotte gegenüber. Die Armada siegte und D. Alvaro de Bazan, Markgraf von Santa Cruz de Mudela, nahm mehrere Dutzend Offiziere gefangen. 30 wurden enthauptet, 50 gehängt. Es gilt als eines der größten Massaker auf den Azoren.

Erst im 18. Jahrhundert erholte sich die Stadt von den Folgen des Erdbebens. Mit dem Anbau von Orangen ging es wieder aufwärts, im 19. Jahrhundert wurde schließlich die Ananas zum Motor der lokalen Wirtschaft.

Zur Igreja Matriz de Sao Miguel Arcanjo mit ihrer mit dunklem Basalt verkleideten Fassade muss man einige Stufen hinaufsteigen. Sie wurde im 15. Jahrhundert von Rui Goncalves im Auftrag von Heinrich dem Seefahrer (Infante D. Henrique) erbaut. Aus dieser Zeit stammt das gotische Hauptportal, das noch heute zu bewundern ist.
Im Jahre 1522 wurde der noch junge Bau mit dem ganzen Ort durch ein verheerendes Erdbeben zerstört. Die Überlebenden bauten die Kirche bis 1537 originalgetreu wieder auf. Damit zählt das Gotteshaus heute zu den ältesten Gebäuden auf São Miguel. Die Fassade ist vollständig mit Basalt verkleidet. Im dreischiffigen Innenraum mit gotischem Triumphbogen fallen vor allem die vergoldeten Holzschnitzereien und die von manuelinischen Motiven umrahmten Fliesenbilder aus dem frühen 20. Interessant sind auch das Hochrelief-Altarbild in der Kapelle des Fegefeuers und das Renaissance-Taufbecken aus dem 16. Jahrhundert.
Von der Matriz aus beginnt am ersten Sonntag nach dem 8. Mai die Procissao do Trabalho. In der Prozession der Arbeiter feiert jede Zunft ihren Heiligen. So feiern die Bauern Santo Antao, die Töpfer Santo Antonio, die Fischer Sao Pedro Goncalves oder die Zimmerleute Sao Jose.

Im Park davor kann man ausruhen oder die leckeren Queijadas da Vila Franca probieren. Diese Leckereien haben ihren Ursprung im Convento de Santo André und werden noch heute von zwei Familien nach einem alten Geheimrezept hergestellt. Das Convento de Santo Andre selbst stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Die Igreja da Misericordia mit dem Hospital stammt ebenfalls aus dem 15. Sie ist dem Heiligen Geist (Espirito Santo) geweiht. Am letzten Augustwochenende wird hier das Fest Bom Jesus da Pedra gefeiert. Das Hospital war das erste auf den Azoren.

Die Igreja de Sao Pedro wurde im 18. Jahrhundert an der Stelle einer kleinen gotischen Ermida erbaut. Sie hat eine typisch barocke Fassade.

Das Convento de Sao Francisco stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde im 18. umgebaut.

Am 8. Juni 1992 wurde das Centro Municipal de Formacao e Animacao Cultural eröffnet. Es organisiert Ausstellungen und Konzerte, Aufführungen und Seminare. Damit ist es ein unverzichtbarer Wegbereiter der kulturellen Vielfalt von Vila Franca do Campo.

Einen Besuch wert ist auch das Museu Municipal de Vila Franca do Campo. Es zeigt Sammlungsstücke aus dem täglichen Leben und hat sich inzwischen mit der Cooperativa de Artesanato Senhora da Paz zusammengeschlossen. So sind im Museum auch zahlreiche Arbeiten von Schneidern, Töpfern und Böttchern zu sehen. Auch dem azoreanischen Musikinstrument, der Viola, ist ein eigener Bereich gewidmet.
Wer den Handwerkern über die Schulter schauen will, muss sie allerdings direkt in ihren Werkstätten besuchen. Der Weg zu den Stickerinnen, Töpfern und dem Queijada-Bäcker ist ausgeschildert.

Das Rathaus stammt aus dem 18. Davor steht die Statue von Botelho.

Auf dem Weg zum Hafen kommt man am Denkmal Heinrich des Seefahrers vorbei.

Am Hafen befindet sich das Forte do Tagarete. Es ist das letzte noch erhaltene Verteidigungswerk des Hafens.

Der Hafen Porto do Tagarete selbst ist heute ein Freizeitzentrum mit Yachthafen. Vila Franca setzt auf neue Touristen und diese Entwicklung zeigt sich am deutlichsten in der Hafenentwicklung. Mit dem Aquapark will man hier bisher verschlossene Türen öffnen.

Am 19. Februar 1992 wurde der Clube Naval da Vila Franca do Campo gegründet. Aus der anfänglich kleinen Gruppe ist im Laufe der Jahre eine straffe Organisation geworden, die sich auch für Umwelt und Tourismus einsetzt. Natürlich werden auch sportliche Aktivitäten wie Rudern, Kanufahren oder Unterwasseraktivitäten angeboten.

Am Clube Naval befinden sich die Überreste der zweiten Festung Castelinho das Taipas.

Im östlichen Teil der Stadt befindet sich die Bibliothek. Hier finden zahlreiche Ausstellungen statt.

Der Markt von Vila Franca do Campo liegt in der Rua Teofilo de Braga unter alten Bäumen. Es gibt nur wenige Stände, aber er ist schön gelegen.

Etwa 1 km vor Vila Franca do Campo liegt die Felseninsel Ilheu da Vila sanft im Meer. Sie ist seit 1993 Naturschutzgebiet und im Sommer kann man mit kleinen Booten übersetzen. Die Bootsbesitzer im Hafen verlangen dafür einen kleinen Obolus. Im Sommer verkehrt mehrmals täglich die Fähre Cruzeiro do Ilheu.

Der Kratersee ist heute eine natürliche Lagune im Meer mit einem Durchmesser von etwa 150 Metern. Nur nach Norden ist ein kleiner Kanal offen. Eigentlich handelt es sich um zwei Inseln: Ilheu Pequeno liegt nordöstlich der viel größeren Ilheu Grande.

Die kleine Insel wurde 1537 entdeckt und hatte seitdem mehrere Besitzer. Auch ihre Funktion wechselte im Laufe der Jahrhunderte: Mal war sie militärische Festung, mal Walbeobachtungsstation, mal Weinanbaugebiet.

Heute ist die Insel ein Naturschutzgebiet. Es umfasst die gesamte Inselfläche von ca. 5 ha und das umgebende Meer bis zu einer Tiefe von 30 m. Teile des Inselgebietes sind trotz der sich ständig ändernden Nutzung der Insel noch mit der ursprünglichen Vegetation bewachsen. Hier findet man noch das Heidekraut Urze, die Erica Azorica oder die Faya-Büsche.

Auch für Vögel ist das Schutzgebiet ein ideales Rückzugsgebiet. Etwa 300 Paare des Cagarro brüten hier. Aber auch andere, seltenere Vogelarten sind hier anzutreffen.

Interessant ist auch die Unterwasserwelt. Es gibt zahlreiche Algenarten, Garnelen und natürlich viele Fischarten wie Congro, Abrotea Caranguejo oder Cavacos.

Ein Teil der Lagune in der Mitte der Insel hat einen sandigen Boden. Diese Sandbank hat die Form eines Halbmondes und ist je nach Jahreszeit mal größer und mal kleiner. Das macht die Insel im Sommer zu einem beliebten Badeziel.
Mit einem kleinen Boot setzen von Juni bis September täglich bis zu 600 Menschen von der Stadt aus über. Es ist eine Gratwanderung zwischen Naturschutz und Tourismus.

Am Ortsrand liegt in einem kleinen öffentlichen Park das ehemalige Kloster Convento de Sao Francisco mit der gleichnamigen Kirche. Die Gebäude stammen aus dem Jahr 1525, heute befindet sich in den geschichtsträchtigen Mauern ein Hotel.

Im Industriegebiet PIVFC haben sich inzwischen einige Firmen angesiedelt. Hier fanden sie mehr Platz als in der Enge der Stadt.

Im Osten der Stadt gedeiht der Wein. Hier wird der typisch azoreanische Rotwein vinho de cheiro gekeltert. Man kann den einen oder anderen Winzer besuchen.

Oberhalb des Ortes liegt die Kapelle Nossa Senhora da Paz. Sie dominiert weithin sichtbar den Hügel über Vila Franca do Campo, und auch von der Plattform der Kirche selbst ist die Aussicht phänomenal. Man überblickt ganz Vila Franca mit seinen unzähligen Ananas-Gewächshäusern. Doch zuvor muss man die Treppengalerie erklimmen. Sie ist mit Azulejos geschmückt. Auch auf der Aussichtsplattform selbst finden sich einige Fliesenbilder.
Die Kapelle wurde im 16. Jahrhundert.

Außerhalb der Stadt befindet sich die Ermida de S. Joao Baptista. Die kleine Kapelle hat das schwere Erdbeben im 16. Jahrhundert überstanden.

Zum Bezirk Vila Franca do Campo gehören auch die beiden Seen Lagoa do Fogo und Lagoa do Congro. Beide gehören zu den schönsten Seen auf Sao Miguel.
Den vielleicht schönsten Blick auf den Lagoa do Fogo hat man vom Alto da Barrosa.
Etwas versteckter liegt der bezaubernde Lagoa do Congro. Er ist von dichtem Grün umgeben.
Noch kleiner und blumenübersät ist der Lagoa dos Nenufares.

Der Cerrado dos Bezerros ist ein schöner Waldpark mit einer großen Vielfalt an Pflanzen und Blumen.

Praia Vinha d’Areia (Praia das Franceses): Schöner, ca. 320 m langer Sandstrand östlich der Stadt an der neuen Marina. Parkmöglichkeiten vorhanden. Bar, Duschen und Umkleidekabinen vorhanden. Der Strand wird bewacht. Hier gibt es auch den neuen Aquapark atlantico splash mit Rutschen und Pools (6 €). Ilheu da Vila: Geschützter Badestrand im Krater. Corpo Santo: Sandstrand, ca. 180 m lang. Der Strand wird bewacht. Duschen vorhanden. Auch für Nichtschwimmer geeignet. Ponta de Sao Pedro: Steinstrand. Parkmöglichkeiten vorhanden. Der Strand ist nicht bewacht.

Busverbindung nach Ponta Delgada, nach Furnas, nach Povoacao, nach Ponta Garca. Der Busbahnhof befindet sich in der Rua Visconde do Botelho.

Dia do Municipio: 24. Juni. Am 15. Januar wird die Festa de Santo Amaro gefeiert. Am 14. Mai wird die Festa de Sao Miguel Arcanjo gefeiert. Im Juni finden die allgegenwärtigen Festas do Espirito Santo statt. Am 31. August wird Bom Jesus da Pedra mit einer Prozession gefeiert. Am 5. Oktober wird die Festa de Nossa Senhora da Paz gefeiert.




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