Praia da Vitoria ist schon eine kleine Stadt. Etwa 6.200 Menschen leben hier am Strand des Sieges.
Der Ort ist, fast noch mehr als Lajes selbst, von den Amerikanern geprägt, die seit dem 2. Weltkrieg auf Terceira ihren Militärstützpunkt unterhalten. So ist das Flair des alten Ortes im Zeitalter des Fastfood leider etwas verloren gegangen. Dennoch sind der Hauptplatz und die sich daran anschließende Fußgängerpromenade bis heute erhalten geblieben. Die Besonderheit der Stadt ist jedoch der endlos scheinende Sandstrand. Zwei lange Deiche schützen die langgestreckte Bucht.
Praia da Vitoria ist nach Angra do Heroismo die zweitgrößte Stadt auf Terceira.
Praia da Vitoria ist auch die Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts. Die Landschaft ist geprägt von Bergen, Hochebenen, Kratern und Seen.
Die Küste ist zerklüftet und nur die Bucht von Praia bietet ideale Bademöglichkeiten. Der Sandstrand in der Bucht ist einzigartig auf Terceira und gleichzeitig der größte der Azoren.
Bemerkenswert ist auch die große Zahl endemischer Pflanzen. Das zentrale Hochplateau bietet den Pflanzen ideale Bedingungen. Vor allem am Morro Assombrado und am Biscoito da Ferraria findet man die größte Pflanzenvielfalt: Erica azorica kommt häufig um Agualva und Quatro Ribeiras vor, Laurus azorica und Frangula azorica um Biscoitos, Juniperus brivifolio um Quatro Ribeiras und Agualva, Festura petrae und Spergularia azorica um Biscoitos und Porto Martins.
Um Agualva und Biscoitos befinden sich auch die meisten Seen und Lavahöhlen.
Die Siedlungsgeschichte des unter Jacome de Bruges gegründeten Ortes reicht bis in das Jahr 1456 zurück. Bis 1476 war Praia Hauptstadt der Insel Terceira. Hier residierten auch die ersten Kapitäne der Donataren. 1480 erhielt Praia unter Alvaro Martins Homem das Stadtrecht. An beiden Enden der Bucht wurden Festungen errichtet.
Am 24. Mai 1614 wurde die Stadt durch ein verheerendes Erdbeben völlig zerstört. Doch die Bevölkerung baute die Häuser schnell wieder auf.
Am 11. August 1829 fand vor Vila da Praia eine große Seeschlacht von historischer Bedeutung statt. Die Streitkräfte des Königs Dom Miguel wurden besiegt. Mit 21 Schiffen versuchten die Absolutisten die Macht an sich zu reißen. Als die Absolutisten in Vila da Praia an Land gehen wollten, wurden sie von der Inselbevölkerung vernichtend geschlagen. Praia da Vitoria (Strand des Sieges) blieb als Name erhalten. Den Beinamen ‚da Vitoria‘ verlieh Königin Maria II. am 12. Januar 1837.
Mit dem Bau des langen Hafendamms stach Praia da Vitoria den Konkurrenten Angra aus, was den Zugang zum Meer betrifft.
Im Zentrum gibt es eine schöne Fußgängerzone entlang der Rua de Jesus mit vielen Geschäften. Wer ein Souvenir sucht, wird in der kleinen Flaniermeile schnell fündig.
Daneben findet man eine Reihe historischer Gebäude. Bemerkenswert sind die Steinarbeiten an Treppen und Fassaden sowie die Balkone und Fensterläden.
Im Zentrum befindet sich auch der kleine Stadtpark Jardim Silvestre Ribeiro. Das Denkmal Estatua de Jose Silvestre Ribeiro im Park erinnert an den ehemaligen Gouverneur. Silvestre Ribeiro sorgte für den Wiederaufbau nach dem Erdbeben von 1841.
An der Südseite des Parks befindet sich gegenüber der Markt von Praia.
Am Largo Conde da Praia kommt man am Chafariz do Largo Conde da Praia vorbei. Der Brunnen wurde 1849 erbaut.
Ganz in der Nähe, in der Rua dos Remedios, befindet sich die kleine Ermida dos Remedios aus dem 17. Jahrhundert mit einem schönen Fenster über dem großen Hauptportal.
Am Hauptplatz Largo Francisco Ornelas da Camara steht das Rathaus Pacos do Concelho aus dem Jahre 1591. Das breite Gebäude mit zentraler Treppe hat einen großen Glockenturm. Seine Grundmauern stammen aus dem Jahr 1596. Mit der Glocke wurden früher die Bürger zur Versammlung gerufen.
Nach dem Erdbeben von 1641 musste das Rathaus größtenteils neu errichtet werden.
Rund um den Hauptplatz stehen alte Häuser, einige mit schönen Balkonen und hübschen Fassaden. Hier befindet sich auch der zentrale Taxistand.
Mitten auf dem Platz steht auch die Freiheitsstatue Estatua da Liberdade. Sie erinnert an die Helden der Schlacht vom 11. August 1829.
Ein bekannter Sohn der Stadt ist Vitorino Nemesio, der am 19.12.1901 geboren wurde. Sein Geburtshaus aus dem 17. Jahrhundert steht in der Rua de Sao Paulo 5-9. Nemesio war Dichter, Romancier, Journalist und Lehrer. Er studierte Jura und Geschichte. Er starb am 20. Februar 1978 in Lissabon.
Das Haus wurde im 19. Jahrhundert umgebaut. Eine Gedenktafel erinnert an ihn. Heute beherbergt das Haus eine Art Künstlergalerie mit einer Dauerausstellung von Tischlern und Schreinern. Außerdem lohnt sich ein Blick in den Hinterhof, in dem schöne Steinarbeiten zu sehen sind.
Ganz in der Nähe, an der Ladeira de Sao Francisco, steht die Hauptkirche Igreja Matriz de Santa Cruz, die 1456 unter dem ersten Lehnsherrn der Insel, Jacome de Bruges, erbaut wurde.
Obwohl der Bau bereits im 15. Jahrhundert begonnen hatte, wurde das heute dreischiffige Gotteshaus erst am 24. März 1517 von Bischof D. Duarte geweiht. Immer wieder wurde das Gotteshaus durch Erdbeben beschädigt, so am 24. Mai 1614, am 24. Juni 1810, am 15. Juni 1841 und zuletzt am 1. Januar 1980. Trotz der vielen Umbauten sind einige Bauteile aus der Entstehungszeit erhalten geblieben.
Schon von weitem beeindruckt die Kirche. Die breite Fassade mit den beiden mächtigen Glockentürmen führt unter einem prachtvoll verzierten gotischen Hauptportal aus dem 15. Die Gewölbebögen sind noch manuelinisch, die Pfeiler aus Marmor. Zu den Schätzen der Kirche gehört eine bedeutende Sammlung von Heiligenbildern aus dem 16. und 17. Jahrhundert, darunter eine seltene indo-portugiesische Figur aus bemaltem Elfenbein. In der Sakristei befindet sich eine Uhr englischen Ursprungs. Viele der Figuren stammen aus dem 16. Jahrhundert, und das Weihwasserbecken stammt noch aus der Gründerzeit. Es wurde bei den Arbeiten nach dem Erdbeben von 1980 wiederentdeckt. Die beiden großen Glocken stammen aus dem Jahr 1473, die kleine Glocke aus dem Jahr 1857.
In der Matriz befindet sich auch die Ermida de Sao Salvador aus dem Jahr 1560.
In Praia da Vitoria gibt es auch einige Heilig-Geist-Tempel: Am Largo Dr. Sousa Junior steht der rot-weiße Imperio do Rossio aus dem Jahr 1979.
Der braun-weiße Imperio de Santa Luzia stammt aus dem Jahr 1875 und steht an der Canada de Santa Luzia. Aus dem Jahr 1877 stammt das blau-weiße Imperio dos Pescadores am Largo Jose Sivestre Ribeiro. Im Jahr 1888 wurde der farbenfrohe Imperio da Casa da Ribeira am Largo de Sao Joao im Stadtteil Casa da Ribeira errichtet. Ebenfalls aus dem Jahr 1888 stammt der Imperio Santa Rita am Largo da Igreja. 1930 wurde der Imperio das Tronqueiras am Largo Tronqueiras errichtet.
Aus dem Jahr 1941 stammt das farbenfrohe Imperio da Caridade am Largo Jose Sao Ribeiro. Man könnte meinen, es sei in einen Farbtopf gefallen. Errichtet wurde der Imperio 1954.
Die 1521 erbaute Kirche Igreja do Senhor Santo Cristo das Misericordias befindet sich in der Rua da Misericordia. Ihre Altäre sind eine wahre Pracht. 1921 brannte die Kirche vollständig ab. 1924 wurde die Kirche mit zwei Schiffen, die die beiden Orden repräsentieren, wieder aufgebaut. Nach dem Erdbeben von 1980 musste sie aufwendig restauriert werden. Dabei wurden die beiden Gräber von Pedro de Barcelos und Dona Leonor Pacheco de Meio entdeckt.
Das Innere der Kirche ist durch einen Säulengang in zwei Hälften geteilt.
Gegenüber, in derselben Straße, befindet sich die Casa das Tias de Vitorino Nemesio. Das Haus wurde im 18. Jahrhundert erbaut und nach dem Erdbeben von 1841 im 19. In diesem Haus wuchs Vitorino Nemesio mit einem Teil seiner Familie auf. Hier gibt es auch einen kostenlosen Internetzugang.
Seit dem 17. Dezember 1994 erinnert eine Büste in der Mitte der Freitreppe vor dem Haus an den Dichter.
Das Hospital da Misericordia besteht seit 1499 und ist damit eine der ältesten Einrichtungen auf der Insel Terceira.
Zum Hospital Sao Lazaro gehörte auch die Ermida de Sao Lazaro. Sie stammt aus dem 16. oder 17. Sie hatte das Erdbeben von 1614 weitgehend überstanden und war nach dem Beben vorübergehend die Pfarrkirche von Praia.
Die Casa da Alfandega stammt eigentlich aus dem Jahr 1632, aber das heutige Gebäude wurde 1844 unter der Leitung von Jose Silvestre Ribeiro umgebaut.
Vom Largo Jose S. Ribeiro führt heute eine schön angelegte Strandpromenade am Meer entlang.
Zum Meer hin wird die Stadt teilweise noch von alten Mauern (Muralhas) begrenzt. Sie waren Teil der Stadtbefestigung und wurden um 1480 errichtet. Die Stadtmauer bestand einst aus vier Wällen und vier Eingangstoren.
Neu entstanden ist in den letzten Jahren auch der Yachthafen. Der Yachthafen bietet Platz für 210 Boote und verfügt über Wasser- und Stromanschlüsse.
Der Neubau des Hafens und der Marina ging jedoch zu Lasten des schönen Strandes. Inzwischen ist mit dem Bau der Marina seit dem Jahr 2000 fast die Hälfte der einst so schönen Sandbucht Praia Grande direkt vor der Stadt in der Marina verschwunden.
Derzeit gibt es 210 Liegeplätze. Wasserversorgung ist vorhanden. Es gibt keine Tankstelle. UKW-Kanal: 16.
Am Nordkai herrscht den ganzen Tag über reger Betrieb. Ein Teil östlich des inneren Wellenbrechers wird von der US-Armee zur Versorgung ihres Stützpunktes in Lajes genutzt. Dieser Strandabschnitt ist daher ebenfalls gesperrt. Am Hafen befindet sich auch der Clube Nautico de Praia da Vitoria. Hier können auch Tauchflaschen gefüllt werden.
Der Südkai ist der Handelshafen mit den Containerschiffen. Hier liegen auch die Fischer. Netze werden geflickt, Boote gestrichen und Reparaturen durchgeführt. An den Kais können auch große Containerschiffe anlegen. Der Hafen von Cabo da Praia ist der wichtigste Seehafen von Terceira. Entsprechend groß ist er ausgebaut. Trotz aller Ingenieurskunst nagen Winterstürme immer wieder an der Konstruktion. 2004/05 wurden Teile der Südmole zerstört. Der Leuchtturm an der Spitze war monatelang zur Insel geworden. Für die Reparatur wurden eigens besonders widerstandsfähige Steine aus Norwegen importiert.
Baden kann man in Praia da Vitoria nach wie vor am großen Sandstrand Praia Grande in der weitläufigen, drei Kilometer langen Baia da Praia, die sich bis zum Cabo da Praia erstreckt. Leider hat der Ausbau des Hafens in der gesamten Bucht das Badevergnügen nicht gerade vergrößert und so ist der einst schönste Strand von Terceira heute leider nur noch ein riesiges Hafenbecken.
Der kilometerlange Hafendamm im Süden bildet zusammen mit dem Wellenbrecher der Nordmole ein Hafenbecken in der Bucht. Die Südmole beginnt südlich der Stadt in Cabo da Praia am Forte de Santa Catarina aus dem 16. Jahrhundert.
Eine zweite Festung befand sich einst an der Nordseite der Hafenbucht: das Forte do Espirito Santo.
Aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stammt der Forno da Telha da Boa Vista. Der alte Ziegelofen wurde vermutlich schon unter der Herrschaft der Spanier auf Terceira errichtet.
Einen schönen Blick auf die Stadt und ihre Bucht hat man vom Miradouro da Serra do Facho auf der Landzunge Ponta da Ma Merenda an der Nordseite der natürlichen Bucht von Praia. Von hier aus überblickt man das gesamte Panorama der natürlichen Bucht von Praia da Vitoria. Ein großes Denkmal der Jungfrau Maria wacht hier über die Stadt.
Wunderschöner Sandstrand Praia Grande an der Baia da Praia
Busverbindung nach Angra do Heroismo, nach Lajes, nach Biscoitos.
Am 1. Januar Festa do Senhor Santo Cristo, in der ersten Juliwoche Festa de Sao Joao in Casa da Ribeira, am letzten Sonntag im Juli Festa da Santa Rita, in der ersten Augustwoche Festa da Praia.

