Vila do Porto auf Santa Maria

Vila do Porto ist die Hauptstadt von Santa Maria und nicht nur die erste größere Siedlung, sondern auch die erste und älteste Stadt der Azoren.

Der Ort liegt auf einem Bergrücken zwischen der Ribeira de Sao Francisco und der Ribeira do Sancho. Ein Großteil der Häuser reiht sich entlang der Rua Dr. Luis Bettencourt und ihren Verlängerungen in Form der Rua Teofilo Braga, Rua Frei Goncalo Velho und Rua Jose Leandres Chaves. Man braucht nur der Hauptstraße mit den schönen steinverzierten Bürgersteigen vom Hafen aus bergauf zu folgen, und man kommt an allem vorbei, was in Vila do Porto von Interesse sein könnte.Einige Gebäude stammen noch aus vergangenen Jahrhunderten.
Auch im Zentrum findet man noch alte Herrenhäuser. Der Ort ist unauffällig in zwei Teile geteilt: Oberhalb der Matriz ist der Ort mit vielen Geschäften belebt. Unterhalb der Hauptkirche sind viele Häuser verfallen oder sehen so aus. Der untere Teil in Richtung Hafen ist auch der älteste und insgesamt wenig attraktiv.
In den vielen historischen Gebäuden mischen sich manuelinische und barocke Baustile.

Heute leben etwa 3.000 Menschen in Vila do Porto. Die Stadt bietet aber eher etwas für Entdecker als für das Auge.

Bevölkerungsentwicklung im Kreis Vila do Porto: 
18491900193019601981199120012004
5.6476.3597.15813.2336.5005.9225.5785.511

Vila do Porto ist der Verwaltungssitz des gleichnamigen Distrikts mit den Gemeinden Almagreira, Santa Barbara, Santo Espirito, Sao Pedro und Vila do Porto selbst.

Bereits 1472 wurden der Stadt die Stadtrechte verliehen. Porto war die erste Stadt auf den Azoren.

Den Spaziergang durch die Stadt beginnt man am besten ganz oben bei der Ermida de Santo Antao, die mit ihrem wuchtigen Äußeren einer richtigen Kirche gleicht. Sie liegt am Largo Dr. Manuel Monteiro Velho Arruda, von dem aus die Straßen in alle Richtungen abzweigen.

Geht man die Rua Jose Leandres Chaves weiter hinunter, kommt man an der Schule auf der linken Seite und dem Polizeigebäude vorbei.

Eine Querstraße weiter westlich befindet sich der Markt, auf dem allerdings nicht viel los ist.

Direkt gegenüber befindet sich die Gemeindeverwaltung Junta de Freguesia de Vila do Porto.

Weiter unten in der Rua do Cotovelo befindet sich ein Kunsthandwerkszentrum.

Wieder zurück auf der Hauptstraße, die jetzt Rua Dr. Luis Bettencourt heißt, gelangt man zum Franziskanerkloster Convento de Sao Francisco, das 1607 von Franziskanermönchen gegründet wurde. Es war das erste Franziskanerkloster auf den Azoren. Die Mönche kamen mit den ersten Siedlern auf die Insel. Das ehemalige Kloster beherbergt heute die Stadtverwaltung mit zahlreichen Ämtern. Das ebenfalls hier untergebrachte Gefängnis ist stets leer.
Das Gebäude besitzt einen gut erhaltenen Kreuzgang um einen palmenbestandenen Innenhof. Der Rest wurde mehrmals umgebaut. 1616, neun Jahre nach seiner Gründung, wurde das Kloster bei einem Überfall marokkanischer Piraten ein Raub der Flammen, 1722 und 1832 brannte es ebenfalls. 1725 wurde das Gebäude wieder aufgebaut und 1822 erweitert.

Zum Kloster gehört auch die benachbarte Kirche Igreja de Nossa Senhora da Vitoria mit ihren schönen Altären. Zu erwähnen sind auch die Capela da Ordem Terceira mit zwei geschnitzten Altären und einer bemerkenswerten Christusfigur, die einer Kopie der bemerkenswerten Statue des Santo Cristo in Ponta Delgada ähnelt, die Capela das Almas mit einem wertvollen bemalten Kachelbild aus dem 17. Jahrhundert, das Szenen aus dem Leben des Heiligen Antonius zeigt, und die Capela do Senhor do Sepulcro mit einem steinernen Altaraufsatz.
Ihr Vorplatz, der Largo da Nossa Senhora da Conceicao, markiert zugleich das Zentrum der Stadt. Die Bürgersteige sind hier kunstvoll mit steinverzierten Pflastersteinen verziert.
Auf dem Platz befindet sich auch ein kleiner Kiosk des Turismos. Direkt an der Straße befindet sich auch die zentrale Bushaltestelle und der Taxistand von Vila do Porto.
Direkt gegenüber befindet sich die Stadtbibliothek im ehemaligen Kloster Convento de Santo Antonio und der angrenzenden Kapelle Ermida de Santo Antonio. Die Kapelle mit ihrem dicken Turm wurde bereits 1579 als erste des Ortes erbaut.
Geht man die Rua dos Oleiros hinunter, fällt der Blick auf ein östlich gelegenes Industriegebäude mit hohem Schornstein. Es war die ehemalige Ziegelei und Töpferei von Vila do Porto. Inzwischen ist sie jedoch stillgelegt.

Weiter geht es zur Pfarrkirche Igreja Matriz Nossa Senhora da Assuncao. Sie ist heute die Hauptkirche von Vila do Porto und wurde bereits im 16. Jahrhundert erbaut und im 17. und 19. Jahrhundert mehrfach umgebaut. Sie zählt damit zu den ältesten Kirchenbauten der Azoren. Nach dem großen Brand von 1832 wurde sie bereits ein Jahr später wieder aufgebaut. Victorino Antonio do Rego Callisto sammelte genügend Spenden aus der Bevölkerung für den Neubau. Vom ursprünglichen Bau sind nur noch ein spitzbogiges Seitenportal und die Kapelle Santa Catarina mit ihrem Kreuzrippengewölbe und der manuelinischen Decke erhalten. Die Kapelle Santa Catarina und das gotische Portal sind die einzigen Überreste der ursprünglichen Kirche.

Die Kirche besteht aus drei Schiffen. Links und rechts bilden zwei Bogenreihen aus roten Steinquadern die Statik. Schön sind das gotische Portal und die Glasfenster. Jahrhundert und einige flämische Heiligenbilder aus dem frühen 16. Jahrhundert, darunter eine besonders schöne Darstellung der Jungfrau mit dem Kind. Zu den Reliquien gehören auch Eisenstangen. Mit ihnen hatten marokkanische Piraten 1675 die Einwohner niedergemetzelt.

Vor der Kirche befindet sich der Largo do Chafariz, auf dem auch das Recolhimento de Santa Maria Madalena aus dem 16. Sie wurde 1594 unter

Pater Corvelo Resende gegründet, der zusammen mit Brüdern des Ordens Santa Clara auf der Insel ein Kloster zu Ehren von Santa Maria Madalena errichten wollte. Im Jahre 1600 wurde hier die erste Messe gefeiert.

Geht man die Hauptstraße Rua Frei Goncalo Velho weiter hinunter, findet man auf der linken Seite die Igreja da Misericordia. Sie stammt aus dem 18. Jahrhindert.

Weiter unten kommt man am Largo Dom Luis de Figueiredo vorbei.

Das untere Drittel von Vila do Porto in Richtung Hafen gehört zu den ärmsten Stadtteilen. Viele

Häuser sind hier verlassen oder verwahrlost. In früheren Jahrhunderten war dies das eigentliche Zentrum der Stadt. Die Fassaden einiger verfallener Häuser zeugen noch von der einstigen Pracht. Mitte des 20. Jahrhunderts gaben viele Besitzer mit der Auswanderung auch ihren Besitz auf. Die Folge war ein zunehmender Verfall der Bausubstanz. Viele Dächer sind eingestürzt und ein Großteil der Gebäude müsste eigentlich abgerissen werden. Doch die Aufzeichnungen sind zum Teil verloren gegangen und die Besitzverhältnisse teilweise unklar.

An der Hauptstraße steht als eines der letzten Gebäude vor dem Knick zum Hafen hin ein weiß-rosa Gebäude. Es ist heute verlassen und wahrscheinlich eines der ältesten Gebäude von Santa Maria. In der Casa do Capitao-Donatario wohnte im 15. Jahrhundert der erste Verwalter der Insel, Joao Soares de Sousa. Dach und Innenräume sind eingestürzt. Nur die Fassade steht noch.
Oberhalb des Hafens findet man noch einige geschichtsträchtige Gebäude, in denen einst Adelsfamilien und donatarische Kapitäne residierten. Die meisten sind allerdings schon etwas verfallen.

Hoch über dem Hafen thront das Forte de Sao Bras aus dem 16. Die Festung wurde von den spanischen Besatzern unter Filipe III. errichtet, um die Stadt vor Piraten zu schützen.
Ein halbes Dutzend Kanonen aus dieser Zeit sind noch erhalten und rosten vor sich hin. Die Spuren früherer Kämpfe sind sichtbar. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf den Hafen.

Ein Denkmal in Form eines Obelisken auf dem Antreteplatz des Forts erinnert an den Kommandanten Carvalho Araujo, der im Ersten Weltkrieg zum portugiesischen Nationalhelden wurde, als sein Schiff vor der Insel von einem deutschen U-Boot versenkt wurde.

Zu den Befestigungsanlagen gehört auch die Ermida Nossa Senhora da Conceicao aus dem 18. Jahrhundert, die innerhalb der Festungsmauern errichtet wurde und von der Bevölkerung schlicht Santa Luzia genannt wird. Sie beherbergt ein Bildnis der Heiligen Lucia aus dem 16. Jahrhundert, als sich an dieser Stelle noch das ursprüngliche Gebäude, eine einfache Kirche, befand.

Jahrhundert stammt die Ermida de Sao Pedro Goncalves am Largo Sousa e Silva, nur wenige Schritte entfernt.

Unterhalb der Festung befindet sich der Clube Naval an der alten Bootsrampe.

Im Hafen sind noch Reste der alten, inzwischen stillgelegten Fischfabrik zu sehen. Der Schornstein ist bereits abgetragen.
An der Mole liegen Fischerboote und Frachtschiffe nebeneinander. Inzwischen wurde der Hafen ausgebaut, so dass die Versorgungsschiffe auch in den stürmischeren Wintermonaten anlegen können. Die Versorgungssituation hat sich dadurch enorm verbessert. 2009 wurde mit weiteren Hafenarbeiten begonnen, damit die Fähren künftig noch besser anlegen können. Der neu gestaltete Hafen soll den Namen Cais dos Atracoes erhalten. Im Sommer soll hier auch ein kleines Tourismusbüro seinen Betrieb aufnehmen. Ein massiver Wellenbrecher schützt den eher kleinen Hafen vor dem Meer. Es ist bereits der zweite, da der Vorgänger bei einem schweren Sturm zerstört wurde.

Seit 2008 verfügt Vila do Porto auch über eine Marina, die Platz für 120 Boote bietet.

Südwestlich der Stadt, an der Ponta do Malmerendo, steht das Leuchtfeuer vor Vila do Porto. Ein Fußweg führt dorthin.
Von der Landzunge aus sieht man auch das 60 m hohe Inselchen Ilheu da Vila im Westen, das heute zusammen mit der umliegenden Küste ein 67 ha großes Vogelschutzgebiet ist.

Nordwestlich von Vila do Porto liegt in der ehemals weiten Ebene in etwa 4 km Entfernung der 1944 errichtete Flughafen. Das gesamte Gebiet ist heute im Sommerhalbjahr eine unattraktive, trockene, steppenähnliche Landschaft. Nur von November bis Mai ist dieser Teil der Insel begrünt. Das war nicht immer so, denn in früheren Jahrhunderten war der Westen von Santa Maria das Hauptanbaugebiet für Weizen. Heute weiden hier nur noch einige Rinder und eigens aus England importierte Schafe, deren Wolle in Heimarbeit verarbeitet wird.
Der Flugplatz war im 2. Weltkrieg als Militär- und Nachschubbasis vorgesehen und spielt nicht umsonst eine so dominante Rolle im Westen von Santa Maria.

Das flache Plateau dieser Gegend eignete sich für einen Stützpunkt. Inspektoren kamen in einer Art Geheimmission auf die Insel, und so wurde nach ersten Vermessungsarbeiten in aller Eile eine lange Start- und Landebahn angelegt. Aus der Start- und Landebahn wurden drei Rollbahnen, und der Flughafen wurde zu einer wichtigen Versorgungsbasis der Amerikaner. Für die Bewohner der Wellblechstadt bauten die Amerikaner Sportanlagen, ein Hotel, ein Schwimmbad und ein Kino. Für die aus damaliger Sicht altmodischen Bewohner von Santa Maria war das alles etwas völlig Neues und Unbekanntes. Plötzlich spielten Jazzmusiker aus New Orleans im neuen Club ACA. Während im Osten der Insel abends die Öllampen angezündet wurden, feierte die neue Generation im Westen mit den Amerikanern bei kühlen Drinks bis spät in die Nacht.
Die Amerikaner brachten Arbeit. Viele junge Inselbewohner bekamen einen Job und verdienten ihre ersten harten Dollars, während sich ihre Eltern noch auf den Feldern mit der Landwirtschaft abplagten. Die Wirtschaft boomte und Santa Maria erlebte eine kleine Einwanderungswelle. Innerhalb kürzester Zeit verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Insel. Bereits 1947 gaben die Amerikaner den Stützpunkt auf. Seitdem wird der Flughafen zivil genutzt. Auf der 3,6 km langen Landebahn landeten die Transatlantikflugzeuge, um aufzutanken. Santa Maria war der einzige Zwischenlandemöglichkeit zwischen Europa und Amerika. Die Dollars sprudelten.
Doch neue Flugzeuge mit größerer Reichweite machten den Zwischenstopp bald überflüssig und Ponta Delgada lief der Insel schließlich den Rang als wichtigstes Drehkreuz der Azoren ab. Heute landen meist nur noch kleine Geschäftsflugzeuge zum Auftanken.
Die alten Unterkünfte in den Wellblechhütten sind dagegen erhalten geblieben. Ihre Innenausstattung war für damalige azoreanische Verhältnisse geradezu luxuriös, auch wenn der äußere Eindruck etwas anderes vermuten lässt. Zwischen Flughafen und Stadtzentrum findet man daher auch heute noch die Hinterlassenschaften der Amerikaner. Die einfachen Bauten sind nicht unbedingt schön, aber sie waren zweckmäßig. Aus den Wellblechhütten und Baracken wurde im Laufe der Jahre eine einfache und triste Wohnsiedlung. Heute rosten die Wellblechhütten vor sich hin, und auf der anderen Straßenseite versprühen die einfachen Häuser der eigens angelegten Neubausiedlung wenig Flair.
Doch der Flughafen ist nach wie vor der wichtigste Arbeitgeber in Santa Maria.

Auch das Hotel direkt am Flughafen war lange Zeit die einzige größere Unterkunft auf Santa Maria. Nicht umsonst befand sich hier die Offiziersmesse. Doch vor einigen Jahren brannte das Hotel ab. Inzwischen ist es wieder aufgebaut.

Noch heute gibt es den Clube Asas do Atlantico (ACA) mit Bar, Bibliothek und Billardraum. Er wurde bereits am 5.10.1946 von den Amerikanern gegründet.

Am Flughafen gibt es auch das Turismo. Es befindet sich am Ende des Ganges im Terminal.

Im Norden der Stadt, in der Nähe des Friedhofs, steht die Windmühle von Victor Fontes Chaves. Sie ist ein Nachbau der alten, typischen Windmühlen der Insel. Ein zweiter Nachbau steht in der Nähe der Abzweigung nach Valverde.

Östlich des Dorfes befinden sich auf dem Pico do Facho einige Windkraftanlagen, die seit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 1988 15-20% des Stroms der Insel erzeugen.

An der Nordwestseite des 254 m hohen Facho hat ein Steinbruch ein inzwischen tiefes Loch gesprengt. Erst aus der Ferne ist zu erkennen, wie viel Material hier im Laufe der Jahre abgetragen wurde. Die Pedreira do Campo da Vila do Porto ist inzwischen als regionales Naturdenkmal eingetragen. Mit dem Steinmaterial wurden viele Häuser auf der Insel gebaut. Heute ist der größte Teil des Steinbruchs stillgelegt und es wird nur noch wenig Material für den Bau abgebaut.

In östlicher Richtung erreicht man die Baia da Figueiral. Ein alter Maultierpfad führt von den Häuserresten des alten und verfallenen Weilers Touril hinunter in diese Bucht. Der Weg ist nicht mehr durchgehend erhalten und stellenweise zugewachsen. Er führt durch die Natur in die einsame Bucht.
Hier findet man einige Fossilien (ossos de gigantes) im Gestein.

Etwas außerhalb auf dem Weg nach Valverde kann man im Vorort Salvaterra im Parque Florestal Halt machen. Es ist eine Art Stadtpark, wenn auch etwas außerhalb der Stadt. Das Waldgebiet steht unter Naturschutz. Es gibt einen Kinderspielplatz, Picknicktische und eine Toilettenanlage. Von einem Aussichtspunkt kann man das Tal der Ribeira de Sao Francisco überblicken.

Bademöglichkeit im Hafenbecken, Hallenbad im neuen Complexo Desportivo und Schwimmbad im Clube Ana beim Flughafen.

Busverbindung nach Sao Pedro, Almagreira, Fatima, Santa Barbara, Santo Espirito, Calheta, Malbusca. Außerdem fährt stündlich ein Minibus zum Flughafen.

Dia do Municipio: 24. Juni. In der letzten Juniwoche werden die Festas de Sao Joao gefeiert, am 15. August das größte Inselfest, die Festa de Nossa Senhora da Assuncao, am dritten Septemberwochenende die Festa de Nossa Senhora da Anunciacao.




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