Auf den Azoren kann man wunderbar essen. Jede Insel hat ihre eigenen Spezialitäten. Fisch und Käse bilden die Grundlage der azoreanischen Küche. Sie versprechen Gaumenfreuden. Die Azoreaner essen gerne und gut. Für einen Restaurantbesuch nimmt man sich Zeit und nicht selten sitzt die ganze Familie mit am Tisch. Dementsprechend lebhaft geht es zu. Die Restaurants sind meist klein und haben oft nur wenige Tische. Auf große Werbung wird verzichtet, denn in den kleinen Orten sind die wenigen Kneipen und Restaurants ohnehin bekannt. Auch die Speisekarte besteht oft nur aus einer Auswahl von wenigen Gerichten. Englische Speisekarten sind selten, man sollte also die wichtigsten Gerichte im Kopf haben, damit das Bestellen nicht zum Glücksspiel wird. Es wird immer frisch gekocht. Knoblauch gehört zu jedem Gericht. An Salz wird oft nicht gespart und auch Gewürze werden gerne und gekonnt eingesetzt. Am besten nimmt man das Tagesgericht (prato do dia), denn das ist auf den Azoren einfach, magenfüllend und preiswert. Außerdem liegt man mit der Empfehlung des Kochs immer richtig. Die Portionen sind auch für Hungrige mehr als ausreichend.
Natürlich gibt es auch gehobene Küche in edlem Ambiente. Der Aufpreis schlägt sich meist in edlen Tischdecken und einer etwas üppigeren Tischdekoration nieder. Zu den Gerichten gibt es immer Brot und Butter. Nicht selten steht auch ein Teller mit Frischkäse auf dem Tisch, gewürzt mit einer scharfen Piri-Piri-Sauce. Dieses Coberto wird zwar später bezahlt, aber die Appetithäppchen, die von Restaurant zu Restaurant variieren, sind oft schon für sich allein ein Gaumenschmaus. Auch Käse gehört zu den Vorspeisen. Man findet ihn auf jeder Insel. Der von Sao Jorge gilt als der beste und besonders würzig.
Suppen:
Sehr empfehlenswert sind die vielen Suppen. In jedem Restaurant gibt es eine andere und nicht selten steht die Hausherrin selbst am Herd. Meist handelt es sich um kräftige Gemüsesuppen, wie z.B. die traditionelle Kohlsuppe ‚Caldo Verde‘, die ziemlich dick mit Kartoffeleinlage und ein paar Scheiben geräucherter Wurst serviert wird. Daneben gibt es Suppen mit Hülsenfrüchten (Sopa de Legumes), mit Gemüse (Sopa de Hortalicias), mit Huhn (Sopa de Canja) oder auch mit Brunnenkresse (Sopa de Agriao). Natürlich gibt es auch die Fischsuppe (Sopa de Peixe). Die Suppen sind oft gebunden. Nur an den Feiertagen des Heiligen Geistes steht die Sopa do Espírito Santo auf dem Speiseplan. Deftiger sind die verschiedenen Eintöpfe, die Caldeiradas, die entweder Rindfleisch, Fisch oder Huhn enthalten. Bestellt man die Caldeirada de Peixe, wird die Brühe getrennt von dem darin gegarten Fisch serviert.
Fisch / Meeresfrüchte:
Wer gerne Fisch (peixe) isst, ist auf den Azoren immer richtig. Die Artenvielfalt ist unglaublich. Da verliert man schnell den Überblick. Ob gegrillt oder gebraten, die Früchte des Meeres sind eine Delikatesse. Schmackhaft und immer gut sind Seebarsch (Garoupa), Kabeljaufilet (Filete de Abrotea) und ganze Fische, z.B. Dorade (Goraz) oder Boca Negra. Ganze Fische werden häufig gegrillt. Als Beilage eignen sich Chicharros, kleine Sardinen. Seltener ist der rote Kaiserbarsch (Imperador). Größere Fische wie Thunfisch (Atum/Albacora), Silberbarsch (Cherne), Sägefisch (Espadarte) oder Schwertfisch (Peixe Espada) werden in Scheiben geschnitten oder als Filet serviert. Fett und manchmal grätenreich sind Muräne (Moreia) und Meeraal (Congr). Wie überall in Portugal gibt es auch auf den Azoren immer Kabeljau (Bacalhau), für den es hunderte verschiedene Rezepte gibt. Nicht verpassen sollte man die Entenmuscheln (Lapas). Sie sind zwar relativ teuer, aber der Inhalt der servierten Pfanne schmeckt gegrillt und mit Knoblauch und Kräutern gewürzt unvergleichlich gut. Tintenfische gibt es sowohl gegrillt (lulas) als auch in Rotwein gedünstet (polvo). Dann gibt es noch eine Reihe von Meeresfrüchten. Gegrillte oder gekochte Garnelen (Camarao) sind eine beliebte Beilage. Größere Varianten sind Langusten (Lagosta), Hummer (Lagostinho), Riesengarnelen (Cavaco) und Taschenkrebse (Santola). Eine besondere Spezialität ist der Arroz de Marisco, eine bunte Mischung verschiedener Meeresfrüchte, die zusammen mit Reis gekocht werden. Fischrestaurants erkennt man an der Bezeichnung ‚Marisqueira‘.
Fleischgerichte:
Neben Fisch und Meeresfrüchten gibt es eine Reihe einfacher Fleischgerichte und Eintöpfe. Besonders delikat ist das Rindfleisch von den frischen grünen Weiden der Azoren. Rindfleisch ist auch die Hauptzutat des berühmten Eintopfgerichtes Alcatra, das vor allem auf Terceira auf keiner Speisekarte fehlt. Das Rindfleisch wird in einem Tontopf gekocht. Auf Sao Miguel gibt es Cozido das Furnas, eine Mischung aus Rind-, Schweine- und Hühnerfleisch, die zusammen mit Kartoffeln, Gemüse und Wurst in einem Topf mehrere Stunden in den Caldeiras von Furnas unter der Erdwärme gegart werden. Die Steaks sind meist durchgebraten. Wer es rosa oder blutig mag, kann dies angeben. Steak (bife) gehört ebenfalls zum Standardprogramm. Daneben gibt es typischerweise Schweinerücken (Lombo de Porco) und oft auch kleine Stücke Rinderleber (Iscas de Figado). Ein nahrhafter Eintopf mit roten Bohnen ist die Feijoada.
Beilagen:
Als Beilagen werden in der Regel Kartoffeln und Gemüse serviert. Weit verbreitet ist auch Yam (inhames). Sie gilt als Delikatesse und macht schnell satt. Wegen der langen Kochzeit von mehreren Stunden bekommt man Yam auf den Märkten auch vorgekocht. Salate sind dagegen selten und dienen eher der optischen Auflockerung. Oft wird als zweite Beilage ein Teller Reis gereicht. Je nach Geschmack können sie am Tisch mit Essig, Öl, Pfeffer und Salz abgeschmeckt werden.
Nachspeisen:
Die Desserts sind reichhaltig, aber auch sehr süß. Kuchen, Pudding und frische Ananas werden immer angeboten. Typisch ist die Massa Sovada. Probieren sollte man den ‚Arroz doce‘. Dahinter verbirgt sich ein süßer Milchreis mit Zimt.
Nationalgericht ist der Bacalhau. Den Stockfisch gibt es in vielen Variationen. Jede Insel hat ihre eigenen Spezialitäten. Typisch für die Insel Sao Miguel ist eine heiße Blutwurst mit Ananas. Berühmt ist auch der Eintopf ‚cozido das Furnas‘, der in heißer Erde gekocht wird. Zu den Festtagen im späten Frühjahr wird gerne die Heiliggeistsuppe ’sopa de espirito santo‘ serviert, die aus Rinderbrühe, Weißkohl und aufgeweichtem Brot besteht. Zum Rindfleischgericht ‚al catra‘, einem Eintopf aus Rindfleisch, Zwiebeln, Speck, Kohl und Weißwein, passt ein fruchtig-feuriger Rotwein frisch vom Fass. Zum Aperitif wählt man einen Verdelho, der auf Pico am besten schmeckt, und zum Dessert einen Maracuja-Likör von der Insel Sao Miguel.
Auf den wenigen Märkten und in den Mercearias, den kleinen Tante-Emma-Läden, findet man alles, was man für das tägliche Picknick braucht. Frisches Gemüse und Obst gibt es das ganze Jahr über in bester Qualität. Die besonders aromatische Ananas und auch die auf den Azoren angebaute Zwergbanane gehören zum Standardprogramm jedes Anbieters. Die Auswahl an Brotsorten ist zwar begrenzt, aber immerhin hat man die Wahl zwischen Weizenbrot und dem wesentlich schwereren Pao de Milho, das aus Maismehl hergestellt wird. Dazu passt ein würziger Käse von São Jorge, Flores oder einer der anderen Inseln.
Spezialitäten im Überblick:
- Alcatra: Rindfleischgulasch in Rotweinsoße
- Alfenim: Zuckerspezialität
- Arroz de Lapas: Entenmuscheln mit Reis
- Arroz Doce: Reiskuchen
- Biscoitos de aguardente: Biskuit mit Schnaps
- Barrigas de freira: süße Nachspeise
- Biscoitos de orelha: Biskuit
- Bolinhos de Consoada: Weihnachtskuchen
- Bolo de Véspera
- Bolo lêvedo das Furnas: süßer Maiskuchen
- Bolo na Panela: Polenta mit Mais
- Bolo no Tijolo: flaches Maisbrot
- Bolos de Coalhada: Milchkuchen
- Caçoula: Fleischgulasch
- Calde de Nabos: Kohlrabisuppe
- Caldeirada de Congro: Seebarschsuppe
- Caldeirada de Peixe com Maçã: Fischsuppe mit Äpfeln
- Caldeirada de Peixe: heiße Fischsuppe
- Caldo Azedo: Sauerkohl-Suppe
- Caldos de Peixe: Fischsuppe
- Capuchos: Kapuziner
- Coelho de Molho de Vilão: Kaninchen in pikanter Soße
- Confeitos da Ribeira Grande: Konfekt
- Coscorões
- Couves Solteiras: Kohlsuppe
- Cozido das Caldeiras: gekochter Fleisch- oder Fischtopf
- Cozido de Porco: gebratenes Schweinefleisch
- Doce Branco: weißer Kompott
- Encharcados de Ovos: Eierkuchen
- Feijão com Cabeça de Porco: Schweinefleisch mit Bohnen
- Fervedouros: Kohl- und Kartoffelsuppe
- Filetes de Molho Ferrado: Fischfilets in pikanter Soße
- Lapas de Molho de Afonso: Entenmuschelsuppe
- Linguiça com Inhame: ausgebackene Fleischwurst mit Yams
- Malassadas: süßer Teig
- Massa Sovada: süßes Brot
- Molha de Carne: Fleischgulasch mit Kartoffeln im Steinguttopf
- Molhos de Dobrada
- Molhos de Porco: Schweinefleischsoße
- Morcela: Blutwurst
- Pastéis de Arroz: Reiskuchen
- Pastéis de Ervas Marinhas
- Polvo Guisado em Vinho de Cheiro: Krake in Weinsoße
- Queijadas: Käsekuchen
- Rosquilhas de Aguardente: Schnapskuchen
- Sarapatel: Schweinefleischgulasch
- Sopa de Agrião: Kressesuppe
- Sopas do Espírito Santo: Heilig-Geist-Suppe
- Suspiros: Baiser
- Tigeladas: süße Nachspeise
- Torresmos de Molho de Fígado: Schweinefleisch in Lebersoße
- Torresmos de Porco: Schweinekotelett
- Torresmos de Vinho e Alhos: Schweinekotelett in Knoblauchsoße
- Vésperas Essen gehen:
Essen gehen:
Für 10 Euro bekommt man ein gutes Essen. Wer ein komplettes mehrgängiges Menü bestellt, muss natürlich etwas tiefer in die Tasche greifen. Gerade in einfachen Restaurants bekommt man oft das beste Essen.
Wer nur eine Kleinigkeit essen möchte, kann sich in den allgegenwärtigen Bars mit kleinen Häppchen stärken. Es gibt kleine Snacks, Sandwiches und mundgerechte Fleisch- und Fischgerichte. In den Bars verbringen die Männer ihre Abende. Man sitzt zusammen, trinkt etwas und tauscht die Neuigkeiten des Tages aus.
Die Cafés und Bars sind also wichtige soziale Treffpunkte, in denen man dem wahren Leben begegnet. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.
Getränke:
Eines der beliebtesten Getränke auf den Inseln ist natürlich das Bier. Es gibt eine lokale Marke: Especial. Es ist ziemlich süffig und ziemlich billig: ein kleines Bier kostet etwa 50 Cent. Auch Kaffee darf nicht fehlen. Tagsüber bevorzugt man eher den Galao, der im Glas mit viel Milch serviert wird. Abends trinkt man den Café, der mit dem Espresso vergleichbar ist.
Natürlich gibt es auch einen sehr guten eigenen Wein. Er wird von einigen Genossenschaften vertrieben. Bekannte Marken von Pico sind der weiße ‚Terras de Lava‘ oder der rote ‚Basalto‘. Aus Graciosa kommt der rote und weiße ‚Terra do Conde‘. In jedem Restaurant und jeder Bar gibt es aber auch die Hausmarke, frisch aus dem Fass. Dieser ‚Vinho de Cheiro‘ ist ein kräftiger, dunkler Rotwein mit Biss. Er stammt von amerikanischen Reben, die noch nicht veredelt sind, und wirkt auf den ersten Schluck manchmal etwas herb. Jede Insel hat ihr eigenes Weinbaugebiet. Deshalb gibt es auch viele verschiedene Weine. Die besten sollen von Biscoitos, Sao Lourenco und Caloura kommen. Der meiste Wein kommt von Pico, Terceira und Graciosa. Aber auch Weine vom Festland werden in den Restaurants angeboten. Der bekannteste Dessertwein der Azoren ist der Verdelho von Pico und Graciosa. Viele alte Verdelho-Rebstöcke fielen im 19. Jahrhundert der Reblaus zum Opfer. Inzwischen hat man dazugelernt. Jahr für Jahr wird er zu einem hochprozentigen Tropfen ausgebaut. Zum Abschluss empfiehlt sich ein leckerer Likör oder Schnaps. Der Tresterschnaps ‚Aguardente‘, ein klarer Weinbrand, wird aus der zweiten Pressung beim Keltern gewonnen. Besonders lecker ist der Aguardente Velho aus dem Holzfass. Lecker ist auch der Feigenschnaps (Figo). Von Sao Miguel kommt der Passionsfruchtlikör (Lico de Maracuja).
Mineralwasser gibt es direkt auf den Azoren. Man muss also nicht immer die großen Kanister kaufen, die vom Festland importiert werden.

